Politischer Aschermittwoch der SPD

Hauptredner beim Traditionellen Politischen Aschermittwoch der SPD in Börßum war in diesem Jahr der ehemalige Bundesvorsitzende des DGB Michael Sommer, der mit einer außergewöhnlichen Rede die Zuhörer nicht nur in gute Stimmung versetzte, sondern den ein oder anderen Denkanstoß gab. Der Reihe nach:

Knapp 100 Personen zählte die Börßumer Oderwaldhalle, als der SPD-Unterbezirk Wolfenbüttel und der SPD-Ortsverein Börßum gemeinsam zum Politischen Aschermittwoch einluden. Nach der Begrüßung durch Börßums Ortsvereinsvorsitzenden Kai Nahser, der die Gäste auf das, was im weiteren Verlauf des Abends noch folgen sollte, einstimmte, trat Wolfenbüttels stellvertretender Landrat Bruno Polzin ans Mikrofon. Er erläuterte anschaulich die aktuellen Entwicklungen zum heiß diskutierten Schulentwicklungsplan und den Debatten über eine mögliche Fusion zwischen den Landkreisen Wolfenbüttel und Helmstedt. Einige Herrschaften aus dem anderen politischen Lager ließen in diesen Themen die notwendige Seriosität vermissen.

Als der Hauptredner des Abends dann ans Rednerpult trat, ahnten viele bereits, dass diese Rede länger nachhallen wird. Seit Mai 2014 hat Micheal Sommer nicht mehr öffentlich gesprochen. Zuvor war er 12 Jahre Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, trägt das Bundesverdienstkreuz. Mit seiner Anrede „liebe Genossinnen und Genossen“ macht er zur großen Freude der Zuhörer zugleich deutlich, in welcher Partei er sich beheimatet fühlt. Unter dem Motto „was du auch tust, handele klug und bedenke das Ende“ mahnte Sommer, der erst einen Abend zuvor aus Tel-Aviv zurückkehrte, vor den großen Problemen, die durch mangelnde Integration entstanden sind und noch entstehen könnten. Er warnte vor hetzerischen Reden einiger politischen Vertreter, die mit diesem Thema Stimmung in unser Land zu bringen versuchen, die nachhaltigen Schaden anrichten werde. „Jeder Bulgare kann nach Deutschland kommen um hier zu bleiben, genauso wie jeder Deutsche nach Bulgarien gehen kann, um dort ansässig zu werden. Das ist keine Einwanderung, das ist Europa!“ Ein gesellschaftliches Umdenken müsse dringend stattfinden, denn „wenn man freiheitliches Denken nicht zur Norm unseres Handelns macht, macht man Integration kaputt.“

Arabischer Frühling, Irak, Afghanistan, Ukraine, es waren ungewöhnliche Themen für einen Aschermittwoch, bei dem üblicherweise verbal auf den politischen Gegner eingedroschen wird. Doch die aktuelle Lage sei zu Ernst, um bei öffentlichen Reden den Spaß in den Vordergrund zu stellen. Krieg sei offenbar wieder ein politisches Mittel geworden. „Damit muss ein für alle mal Schluss sein“, wurde Sommer unter Beifall der Zuhörer deutlich. Er sei froh, dass Frank-Walter Steinmeier mit großem Geschick im Ukraine-Konflikt agiert und verhindert, dass andere weiter Öl ins Feuer gießen.

 

Das Ende seiner Rede befasste sich mit dem Thema Mindestlohn, bei dem Sommer selbst in den Koalitionsverhandlungen der SPD mit der CDU/CSU mitgewirkt hat. Zugleich warnte er davor, dieses Gesetz wieder aufzuweichen, hier müsse die SPD zwingend standhaft bleiben und dürfe der CDU keinesfalls nachgeben. Die Aufstockung für Menschen, die trotz Arbeit weniger Geld verdienen, als ihnen an Grundsicherung zustehe, nannte er eine „staatliche Subvention von kriminellen Arbeitgebern“. Mit den Worten „wenn wir an einem Politischen Aschermittwoch nicht nur mit anderen abrechnen, sondern auch Inhalte transportieren, dann lohnt sich jede Veranstaltung“ übergab Sommer den Platz am Rednerpult dem SPD-Unterbezirksvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Marcus Bosse. Dieser, frisch aus der Plenarsitzung in Hannover kommend, rügte Sommer mit einem schmunzeln aufgrund seiner unparlamentarischen Ausdrücke. Er habe mitgezählt und sei auf vier gekommen, im Landtag hätten bereits zwei für einen Ausschluss gereicht. „Aber“, so konnte Bosse Entwarnung geben, „hier fliegst du nicht raus, hier bist du unter Freunden.“

Michael Sommer reiht sich ein in eine Reihe prominenter Gastredner, die beim politischen Aschermittwoch der SPD in Börßum zugegen waren. Namen wie Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel, Stephan Weil, Wilhelm Schmidt lassen diese Veranstaltung zur größten und prominentesten im Landkreis werden. Bei anschließendem geselligen Mettwurstessen, begleitet von den Oderwaldmusikanten, gab es viel Zeit für politische und unpolitische Gespräche.